Mentoring Bühnen-Gespräch
ESG im Fokus: Wie Expertinnen Nachhaltigkeit in Unternehmen verankern

Mentoring-Bühnengespräch der Jobmesse EXCELLENCE 2025

Bild vom Live-Gespräch auf der Mentoring-Bühne 2025

Nachhaltigkeit ist längst ein zentraler Bestandteil moderner Unternehmensstrategien. Doch wie wird sie konkret in Unternehmen verankert? Welche Herausforderungen gibt es, und wie gelingt der Einstieg in dieses Berufsfeld? Drei Expertinnen – Caroline Hofer, Angela Reiter und Verena Zelger – gaben in einer Gesprächsrunde an der Universität Graz Einblicke in ihre beruflichen Wege und ihre tägliche Arbeit im Bereich Nachhaltigkeit und ESG (Environmental, Social, Governance). Ihre Erfahrungen zeigen, wie vielseitig und dynamisch dieses Berufsfeld ist und welche Chancen es für Absolvent:innen bietet.

Wie ist Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen verankert, und wofür sind Sie zuständig?

Caroline Hofer: Ich bin Group Sustainability Managerin bei der ANDRITZ AG, einem internationalen Technologieunternehmen mit rund 30.000 Mitarbeitenden an über 280 Standorten weltweit. Das Unternehmen ist in vier Geschäftsbereichen tätig: Hydropower, Pulp & Paper, Metals und Environment & Energy. Meine Aufgabe ist es, die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens mitzugestalten und umzusetzen. Ein großer Teil meiner Arbeit ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die für börsennotierte Unternehmen verpflichtend ist und strengen EU-Regulatorien wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) unterliegt. Außerdem koordiniere ich ESG-Ratings, die für unsere Investoren wichtig sind, und arbeite eng mit Kolleg:innen aus verschiedenen Geschäftsbereichen zusammen. Nachhaltigkeit ist bei ANDRITZ ein Querschnittsthema, das alle Bereiche des Unternehmens betrifft. Ein weiterer wichtiger Aspekt meiner Arbeit ist die interne und externe Kommunikation. Intern geht es darum, Kolleg:innen für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und sie in die Umsetzung der Strategie einzubinden. Extern stehen wir im Austausch mit Investoren, Kund:innen und anderen Stakeholdern, um unsere Fortschritte und Ziele transparent zu machen. Es ist eine sehr vielseitige Tätigkeit, die strategisches Denken und praktische Umsetzung erfordert. 

Angela Reiter: Die Energie Graz ist ein regionales Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitenden. Wir sind im Energiedienstleistungsbereich tätig und versorgen die Stadt Graz mit Strom, Wärme und Gas. Außerdem bieten wir Lösungen für Photovoltaik, Elektromobilität und sogar die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt. Meine Aufgaben im Nachhaltigkeitsmanagement sind ähnlich wie bei Frau Hofer, aber natürlich auf die Größe unseres Unternehmens angepasst. Wir haben letztes Jahr ein umfangreiches ESG-Projekt durchgeführt, mit dem wir uns auf die zukünftigen regulatorischen Verpflichtungen vorbereitet, und u.a. eine aktuelle Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt haben. Unser Team ist dafür verantwortlich, diese in die Fachbereiche zu bringen und umzusetzen. Dazu gehört auch die Erstellung der jährlichen Treibhausgasbilanz und das Monitoring unserer Fortschritte. Ein großes Thema ist aktuell die Vorbereitung auf neue gesetzliche Vorgaben, die uns in den nächsten Jahren betreffen werden. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit der Stadt Graz zusammen, zum Beispiel im Rahmen des Klimapakts. Ziel ist es, die Stadt bis 2040 klimaneutral zu machen. Dabei unterstützen wir als Unternehmen nicht nur mit unseren eigenen Maßnahmen, sondern auch durch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Unternehmen. 

Angela Reiter
Verena Zelger

Verena Zelger: Unser Unternehmen, susform, ist deutlich kleiner als die anderen. Wir sind ein Beratungshaus mit zehn Mitarbeitenden und Standorten in Wien und Graz. Wir sind auf Nachhaltigkeitsberatung spezialisiert und unterstützen Organisationen bei der Entwicklung von Strategien, der Umsetzung von ESG-Regulatorien und der Erstellung von Treibhausgasbilanzen.
Ein zentraler Wert des Unternehmens ist die Zusammenarbeit. Nachhaltigkeit erfordert, dass Unternehmen Wissen teilen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Neben der klassischen Beratung arbeiten wir aktuell an der Entwicklung einer ESG-Software, die Unternehmen bei der Berichterstattung unterstützt. Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Ich bin in verschiedenen Projekten tätig, von der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten bis hin zu Workshops und Schulungen für Unternehmen. Besonders spannend finde ich die Arbeit mit Unternehmen, die gerade erst anfangen, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Es ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance, sie auf diesem Weg zu begleiten und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. 

Welche Herausforderungen gibt es in der täglichen Arbeit?

Verena Zelger: In der Beratung ist es oft eine Herausforderung, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kund:innen zu berücksichtigen. Manche Unternehmen stehen noch ganz am Anfang ihrer Nachhaltigkeitsarbeit, während andere schon sehr weit sind. Außerdem ist es wichtig, die Balance zwischen strategischer Arbeit und praktischer Umsetzung zu finden. Nachhaltigkeit ist ein komplexes Thema, und es erfordert viel Fingerspitzengefühl, um die richtigen Lösungen für jedes Unternehmen zu entwickeln. Besonders spannend finde ich es, wenn wir Unternehmen dabei helfen können, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben. 

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Caroline Hofer

Caroline Hofer: Eine der größten Herausforderungen ist die ständige Anpassung an neue Regulatorien. Die EU bringt regelmäßig neue Vorgaben heraus, die wir umsetzen müssen, wie zuletzt die CSRD. Das erfordert eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungen und Geschäftsbereichen, um die notwendigen Daten zu sammeln und die Berichterstattung zu koordinieren. Außerdem ist es wichtig, die Nachhaltigkeitsstrategie nicht nur zu entwickeln, sondern auch in die Unternehmenskultur zu integrieren. Das bedeutet, Kolleg:innen zu schulen und zu motivieren, Nachhaltigkeit als Teil ihrer täglichen Arbeit zu sehen. Es ist ein langfristiger Prozess, der viel Geduld und Überzeugungsarbeit erfordert. 

Angela Reiter: Bei uns ist die größte Herausforderung, dass Nachhaltigkeitskennzahlen oft noch nicht so etabliert sind wie finanzielle Kennzahlen. Es ist ein Prozess, diese Daten zu sammeln und ein Tracking-System aufzubauen, das zuverlässig funktioniert. Ein weiteres Thema ist die Kommunikation. Nachhaltigkeit betrifft alle Bereiche des Unternehmens, und es ist wichtig, dass alle Mitarbeitenden verstehen, warum diese Themen relevant sind und wie sie dazu beitragen können. Besonders in einem kleineren Unternehmen wie unserem ist es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. 

Wie verlief Ihr Berufseinstieg in die Nachhaltigkeitsbranche?

Caroline Hofer: Für mich war der Übergang vom Studium in den Beruf relativ reibungslos. Bereits während meiner Masterarbeit begann ich, mich bei Unternehmen in Graz zu bewerben, da ich wusste, dass ich in der Region bleiben wollte. Meine Praktika während des Studiums – unter anderem in der Umweltabteilung eines großen Unternehmens – halfen mir, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und ein Netzwerk aufzubauen. Für meinen Einstieg war es wichtig, dass meine berufliche Tätigkeit zu meinem Studium passt. Ich habe mich gezielt bei Unternehmen beworben, die in meinem Interessensbereich tätig sind. Das Bewerbungsgespräch bei der ANDRITZ AG war teilweise auf Englisch, da die Konzernsprache Englisch ist. Durch mein Auslandssemester und die internationale Ausrichtung meines Studiums war ich darauf schon gut vorbereitet. 

Angela Reiter: Mein Weg war etwas verschlungener. Nach meinem Bachelorstudium an der FH Kapfenberg entschied ich mich für ein Masterstudium an der Universität Graz und arbeitete nebenbei in verschiedenen Unternehmen, darunter Saubermacher und dem Green Tech Cluster. Diese Erfahrungen halfen mir, ein breites Netzwerk aufzubauen und meine Kompetenzen zu erweitern. Nach dem Studium arbeitete ich zunächst in projektbezogenen Positionen, die jedoch befristet waren. Nach einigen Jahren wollte ich eine unbefristete Stelle. Die Gründung der Nachhaltigkeitsabteilung bei der Energie Graz bot mir die perfekte Gelegenheit, meine Erfahrungen einzubringen und langfristig in einem Bereich zu arbeiten, der mir am Herzen liegt. 

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Verena Zelger: Mein Weg war definitiv nicht geradlinig. Nach meinem Studium an der Universität Graz absolvierte ich ein internationales Masterprogramm, das mich unter anderem nach Japan, Schweden und in die Niederlande führte. Danach arbeitete ich in verschiedenen Positionen, unter anderem im Recruiting und Vertrieb. Ich habe bewusst den Schritt in die Nachhaltigkeitsberatung gemacht, weil ich in einem Bereich arbeiten wollte, der mir persönlich wichtig ist. Bei susform habe ich die Möglichkeit, meine Erfahrungen aus der Wirtschaft mit meiner Leidenschaft für Nachhaltigkeit zu verbinden. 

Welche Tipps gibt es für den Einstieg in die Nachhaltigkeitsbranche?


Alle drei Expertinnen betonen, dass es keine „Standardkarriere“ in der Nachhaltigkeitsbranche gibt. Vielmehr ist der Weg individuell und geprägt von persönlichen Interessen, Erfahrungen und Entscheidungen. Dennoch gibt es einige Tipps, die den Einstieg erleichtern können:

  • Praktika und Nebenjobs: Praktische Erfahrungen sind essenziell, um herauszufinden, welche Bereiche einem liegen, und um ein Netzwerk aufzubauen.
  • Auslandsaufenthalte: Internationale Erfahrungen erweitern den Horizont und sind in vielen Unternehmen ein Pluspunkt.
  • Netzwerken: Alumni-Programme, Mentoring und Veranstaltungen bieten wertvolle Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen.
  • Bewerbung: Eine gründliche Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche und ein fundiertes Wissen über das Unternehmen sind entscheidend.

Die Expertinnen


Caroline Hofer studierte Umwelt- und Betriebswirtschaft (USW) an der Universität Graz mit einem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovationsmanagement. Während ihres Studiums absolvierte sie ein Auslandssemester an der Universität Leiden, wo sie sich mit Industrial Ecology beschäftigte. Heute ist sie Group Sustainability Managerin bei der ANDRITZ AG, einem internationalen Technologieunternehmen mit Sitz in Graz, das in den Bereichen Hydropower, Pulp & Paper, Metals und Environment & Energy tätig ist.

Angela Reiter begann ihre akademische Laufbahn mit einem Bachelorstudium in Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement an der FH Kapfenberg, bevor sie an die Universität Graz wechselte, um dort ebenfalls Umwelt- und Betriebswirtschaft (USW) zu studieren. Ihr Schwerpunkt lag auf nachhaltigen Technologien. Nach verschiedenen Stationen in der Energie- und Abfallwirtschaft ist sie heute Nachhaltigkeitsmanagerin im Team Nachhaltigkeit & Innovationsmanagement der Energie Graz. 

Verena Zelger schloss ebenfalls ein USW-Studium an der Universität Graz ab, mit einem Fokus auf Betriebswirtschaft. Anschließend absolvierte sie das internationale Masterprogramm Industrial Ecology (Erasmus Mundus), das sie an renommierte Universitäten in den Niederlanden, Schweden und Japan führte. Nach einer erfolgreichen Karriere im Vertrieb und Recruiting entschied sie sich für die Nachhaltigkeitsberatung und ist heute Consultant für Nachhaltigkeit und ESG bei susform, einem spezialisierten Beratungshaus mit Standorten in Wien und Graz.

Tanja Baumgartner, Koordinatorin Alumni Management und Career Mentoring, führte durch das Gespräch, welches am 12. November 2025 auf der Mentoring-Bühne im Rahmen der Jobmesse EXCELLENCE an der Universität Graz stattgefunden hat. 

Dieser Artikel entstand mithilfe von aTrain und UniGPT.